Sich selber findet Jonas Güth eigentlich nicht so interessant. Er weiß: Andere sind von sich mehr überzeugt. Wer ihm persönlich begegnet, empfindet dies anders. Jonas Güth ist kein Durchschnitt. Nicht nur die 1,96 m Körpergröße beeindrucken. Es ist die Energie, die er ausstrahlt. Mit großen schwungvollen Schritten sprang Jonas Güth letztlich in Northeim beim Bundeswettbewerb die Treppe zur Bühne hoch, auf der er als Bundessieger in der Disziplin "Metallgestaltung" geehrt wurde. Mit seinem in mancherlei Hinsicht überragenden Gesellenstück und hervorragenden Wettbewerbsergebnissen hatte er alle anderen Bewerber hinter sich gelassen. Heute weiß Jonas Güth zwar noch nicht ganz genau, wer er ist, aber er weiß, was er will. Das war nicht immer so.
Karrieren beginnenmanchmal holprig oder sie sind ein Weg voller Stolpersteine. Davon kann Jonas Güth ein Lied singen. Nach der zwölften Klasse verließ Jonas die Waldorfschule, weil er schulisch richtig durchstarten wollte. Doch er wusste nicht, dass das, was er dort bis zur zwölften Klasse gelernt hatte, den Behörden noch nicht einmal einen Hauptschulabschluss wert war. Um den musste er deshalb erst einmal kämpfen.
Die Bildungsmaßnahme, die darauf folgten, waren weder nach seinem Geschmack noch wirklich notwendig, wie die Abschlussnote von 1,2 belegt. Richtig gut gefielen Jonas Güth jedoch die Praktika, die er in dieser Zeit machen konnte. Nach dem Motto: Umwege erhöhen die (Orts-)kenntnis, führte ihn sein Weg über eine Schreinerei und einen Zimmermannsbetrieb. Dort hätte er gleich als Auszubildender anfangen können. Aber der Werkstoff Holz ließ ihn kalt. Auch den Traumberuf Tierpfleger, den Jonas im Zoo ausprobierte, kam für ihn nicht in Frage.
Seinen heutigen Meister, Metallgestalter Martial Herbst, über den er verschiedene Zeitungsartikel gelesen hatte, musste er fünf Mal anrufen, bis er ihn zu sich einlud. Auf das Gespräch bei einem Kaffee folgte ein Praktikum. Endlich schlugen nicht nur in der Werkstatt, sondern auch bei Jonas Güth die Funken. Die Leidenschaft, die ihn bei der Verformung von Metallen packte, ließ ihn nicht mehr los. Metallbearbeitung, sagt Jonas Güth, "macht mich glücklich." "Mich fesselt vor allem die plastische Verformung dieses starren Materials. Auch wenn das Schmieden nur ein Teil der Arbeit ausmacht." Vor allem das Gestalten ist "sein Ding". Und er weiß: "Man muss erst die Technik beherrschen und genau wissen, wie man was macht. Und man muss das Feuer beherrschen. Der Werkstoff und die praktische Erfahrung damit machen den Schmied".
Er glaubt fest an die Zukunft seines Handwerks und hat Pläne. Als nächstes wird er den Meister machen und dann, berufsbegleitend, den "Designer im Handwerk". In Ulm. Auch wenn seine Werkstücke schon heute eine bemerkenswert eigene und manchmal auch erfreulich eigenwillige Handschrift tragen, ist er noch lange nicht am Ziel.
Spannend findet er den Gedanken, andere Materialien mit in seine Arbeit einzubeziehen. Güth: Moderne Metallgestaltung muss nicht nur mit Schmieden verbunden sein. Erst lernt man durchs "Nachmachen". Irgendwann muss man aber auch an dem Punkt sein, wo man eigene Weg geht."
Dass Jonas Güth erfolgreich seinen Weg gehen wird, daran gibt es keinen Zweifel. Was bedeutet ihm der Begriff Karriere? Jonas Güth: "Karriere ist die Freude daran, ein Ziel nach harter Arbeit zu erreichen."
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